AGURELEO.DE

"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Olivenöl-Expertenwissen: Fakten und Mythen rund um das griechische Olivenöl. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Wissen kompakt

Die Geschichte der Olivenseife: vom Heiligen Land bis nach Marseille

Seife kennt man seit mehr als 4.000 Jahren, die Seife aus Olivenöl ist jünger. Die Geschichte führt vom Heiligen Land über Aleppo nach Marseille bis in die Gegenwart.
Seife ist älter als die Seife aus Olivenöl. Mesopotamische Tontafeln aus dem dritten Jahrtausend vor Christus halten ihre Herstellung fest. Funde im Boden gibt es nicht, denn Seife hinterlässt keine Spuren, und die Frühgeschichte beruht deshalb auf Schriftquellen. Die klassische Antike reinigte mit Kleie, Bimsstein, Natron und Pflanzenlauge. Der Körper bekam Öl und einen Schaber, wie der Beitrag über die Körperpflege in der Antike beschreibt. Die Seife aus Olivenöl entstand im Vorderen Orient. Eine Seife aus Pottasche und Olivenöl taucht erstmals in Quellen des Jahres 985 auf. Pottasche ist eine Lauge aus Pflanzenasche und verwandelt das Öl in Seife. Olivenölseife galt dort als rituell rein, die feinere Seife Europas enthielt dagegen Schweinefett.

Die erste Erwähnung im Jahr 985:

Die Kurzfassung der Studie von Yoav Arbel nennt die Quelle nicht. Zeitlich passt das Werk des Geographen al-Muqaddasi. Er wurde um 945 in Jerusalem geboren und reiste zwanzig Jahre durch die islamische Welt. Seine Länderbeschreibung Ahsan at-Taqasim, auf Deutsch etwa Die beste Einteilung zur Kenntnis der Regionen, schloss er 985 ab. Sie behandelt neben Städten auch Handel und Bodenschätze und gilt als erstes arabisches Geographiewerk mit farbigen Karten. Der Wissenschaftshistoriker Ahmad al-Hassan führt das Buch als Beleg dafür an, dass Geographen des zehnten Jahrhunderts Nablus als bedeutenden Seifenexporteur nennen. Falls Arbel dieses Werk meint, hält die Erwähnung eine Beobachtung zum Handel fest und liefert kein Rezept. Kurze Seifenrezepte stehen schon in den alchemistischen Schriften des al-Razi. Eine ausführliche Anleitung aus dem 13. Jahrhundert stammt aus dem Jemen und arbeitet mit Sesamöl, weil dort keine Oliven wachsen.
Syrien galt als Land der Hartseife. Grabungen fanden dort eine Seifenwerkstatt aus dem achten Jahrhundert. Unter den Mamluken und den Osmanen zählte Olivenölseife zu den wichtigsten Erzeugnissen des Heiligen Landes. Die großen Zentren lagen in Nablus und Jerusalem, kleinere Werkstätten arbeiteten in Ramla, Lod, Akko, Jaffa, Gaza und Hebron. Die Anlagen blieben über Jahrhunderte gleich: verputzte Becken zum Mischen, ein Siedekessel, ein Lager für die Rückstände der Ölpressung und unterirdische Ölspeicher. Die Pressrückstände dienten als Brennstoff für den Kessel. Als Handelsware reichte die Seife bis in die Türkei, in den Jemen, in den Sudan und nach Ägypten. Heute arbeiten laut einer Studie von 2022 nur noch zwei Werkstätten in Nablus. In Syrien führt Aleppo die Tradition fort.

Die Seife von Aleppo:

Die Aleppo-Seife besteht aus Olivenöl, auf Arabisch metraf, und aus Lorbeeröl, auf Arabisch ghar. Im Herbst pflücken Familien wilde Lorbeerbeeren in den umliegenden Wäldern, kochen sie in Wasser, bis sie aufplatzen, und schöpfen das aufsteigende Öl ab. Die Seifenherstellung beginnt im Winter: Natürliche Lauge, Olivenöl und Lorbeeröl werden gemeinsam gekocht. Die Masse wird auf den Boden der Seifenfabrik gegossen und kühlt dort ab. Handwerker schneiden die riesige Platte in Würfel, sie tragen dabei große Holzschuhe und nutzen ihr Körpergewicht und einen Rechen. Jeder Würfel erhält den handgestempelten Namen der Familie. Dann stapeln die Handwerker die Würfel zu Türmen oder Pyramiden, damit die Luft zirkuliert, und lassen sie sechs bis neun Monate trocknen. Das Wissen wird in den Familien weitergegeben. Die UNESCO nahm das Handwerk 2024 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Der Arzt Alexander Russell beschrieb 1756 in seiner Naturgeschichte von Aleppo die Seifenherstellung in Aleppo und Idlib mit Olivenöl und Asche aus der Badia, der syrischen Steppe. Wann die Aleppo-Seife entstand, belegen die ausgewerteten Quellen nicht. Eine gesicherte Verbindung zur Seife von Marseille zeigen sie ebenfalls nicht.
In Europa verlief die Entwicklung anders. Im Norden verkochten die Seifensieder Aschenlauge mit tierischem Fett und Fischöl zu weichen Seifen mit unangenehmem Geruch. Sie dienten vor allem der Reinigung von Textilien. Hartseife zur Körperpflege war in Europa lange kaum üblich. Im 13. Jahrhundert gelangte Hartseife aus den arabischen Ländern des Mittelmeers über Italien nach Nordeuropa. Eine klare europäische Anleitung zum Seifensieden ist aus dem Mittelalter nicht erhalten, die früheste steht in den Geheimnissen des Meisters Alexis von Piemont um 1547. Wie das Wissen über die Olivenölseife nach Marseille kam, belegen die ausgewerteten Fachquellen nicht.

Die Seife von Marseille:

Seit der Zeit Colberts im 17. Jahrhundert wuchs die Seifensiederei in Marseille zur Großindustrie. Die grüne Seife aus Olivenöl, verkauft als Riegel von einem Kilogramm und als Laib von zwanzig Kilogramm, setzte sich rasch durch. Das Edikt vom 5. Oktober 1688 schrieb eine Sommerpause von Juni bis August vor. Die Handelskammer sah darin später ein Mittel gegen Überproduktion. Das Olivenöl kam aus dem ganzen Mittelmeer. Der Seifensieder Séjourné nannte der Handelskammer 1806 die Lieferländer: Tunis, Kreta, die Ägäisinseln Tenedos und Mytilene, die Morea, wie die Peloponnes damals hieß, sowie Kalabrien und Apulien. Krieg, Pest und hohe Preise unterbrachen die Lieferungen mehrfach. Im frühen 19. Jahrhundert wurde auch die Lauge künstlich: Nicolas Leblanc gewann 1789 Soda aus Kochsalz und Schwefelsäure, und 1810 verbot ein kaiserliches Dekret die Einfuhr ausländischer Pflanzensoda. Die Marseiller zögerten, weil Kunden fürchteten, die neue Seife nutze die Wäsche stärker ab. Dazu kam Konkurrenz. Britische gelbe Seifen aus Palmöl und Pariser marmorierte Seifen aus Erdnuss- oder Sesamöl bedrängten die grüne Seife, und der Preis des Olivenöls schwankte mit dem Klima. Manche Fabrikanten mischten Walnussöl oder tierisches Fett unter. Ein Dekret von 1812 führte deshalb ein eigenes Zeichen für Olivenölseife ein. François de Muizon, Autor einer Studie über die Marseiller Ölindustrie, urteilt, der Mythos vom Olivenöl und von der grünen Seife habe dem Druck von Markt und Chemikern nicht mehr standgehalten. Später stellte Marseille selbst auf Ölsaaten um. Die Zahlen der Fabrikanten und der Handelskammer aus dieser Zeit gelten als übertrieben, weil sie aus steuerlichen Gründen ein düsteres Bild zeichneten. Der Historiker Christian Bonnet bestätigt eine Krise, hält ihr Ausmaß aber für lange überschätzt.
Im Jahr 1823 erklärte Michel-Eugène Chevreul, was beim Seifensieden geschieht: Fett zerfällt in Glycerin und Fettsäuren, und die Fettsäuren bilden mit der Lauge die Seife. Der Erste Weltkrieg verschärfte die Lage. Fett und Seife wurden knapp, und in Deutschland begann die Entwicklung synthetischer Waschstoffe auf Kohlebasis. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestanden Körper- und Textilwäsche im Deutschen Reich dennoch fast ausschließlich aus Seife. Danach verdrängten die Syndets, wie man die synthetischen Waschsubstanzen nennt, sie Schritt für Schritt. Die alte Tradition lebt in Nablus, in Aleppo und in Familien weiter, die altes Öl zu Seife kochen. Davon erzählt der Beitrag über die Olivenölseife in der Mani.

Key Facts & Highlights

Die Peloponnes lieferte schon vor mehr als zweihundert Jahren Olivenöl aus überreifen Oliven, dass eine große Ausbeute hatte, an Marseiller Seifensieder, das Maroulia Frühöl von der Mani Ist die schmackhafte und gesunde Variante für den kulinarisch anspruchsvollen Olivenölfreund von heute.
Maroulia Olivenöl

Unser Mani-Versprechen

Erleben Sie den Unterschied von echtem, unfiltriertem Agureleo Olivenöl.

Jetzt Agureleo Olivenöl probieren »