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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Olivenöl-Expertenwissen: Fakten und Mythen rund um das griechische Olivenöl. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Wissen kompakt

Agureleo Olivenöl in der antike-Medizin, Parfüm und Luxus

Omphacinon hieß in der Antike das Öl aus grünen, unreifen Oliven. Es war teuer und ergab wenig, und doch wollten es Ärzte, Parfümeure und Reiche über Jahrhunderte haben.
Die Antike kannte die frühe Ernte schon. Sie nannte das Öl aus unreifen Oliven Omphacinon, nach dem griechischen Wort omphax für unreife Frucht. Der Name steht in griechischen, lateinischen, hebräischen, aramäischen und arabischen Texten. Eine Übersichtsarbeit von 2026 verfolgt dieses Öl von der hellenistischen Zeit bis ins späte Mittelalter. In Heilkunde und Parfümherstellung hatte es einen Ehrenplatz. Theophrast, ein griechischer Naturforscher des vierten Jahrhunderts vor Christus, gab einen praktischen Rat: Das Öl sollte frisch verwendet werden. Nach mehr als einem Jahr sei es zähflüssig und unbrauchbar. Im ersten Jahrhundert nach Christus nannte der Arzt Dioscorides Omphacinon das beste Öl für Arzneien und Salben. Sein Werk De materia medica gilt als wichtigste Quelle für die Arzneimittel der Griechen und Römer. Plinius der Ältere beschreibt das Öl in seiner Naturgeschichte genauer. Er kennt zwei Sorten. Die bessere wird aus Oliven gepresst, die noch weiß sind. Die geringere stammt von grünen Oliven, die gerade die Farbe wechseln. Die Stelle steht im zwölften Buch der Naturgeschichte. Der hohe Preis hatte einen guten Grund. Die Ernte lag etwa drei Monate vor der üblichen Zeit. Grüne Oliven geben nur 10 bis 15 Prozent Öl, reife dagegen 20 bis 30 Prozent. Das ist ungefähr die Hälfte. Die Rabbiner nannten Omphacinon Öl, das kein Drittel gebracht hat. Die Zahlen und den rabbinischen Namen nennt die Übersichtsarbeit. Erzeuger von Frühöl kennen diese Rechnung bis heute: etwa 150 Milliliter Öl aus einem Kilogramm Oliven, bei später Ernte rund 300. Gepresst wurde mit Sorgfalt. Columella und die Geoponika, eine antike Sammlung landwirtschaftlichen Wissens, beschreiben das Verfahren. Die Oliven werden in kleinen Mengen von Hand gepflückt, damit keine zu Boden fällt. Sie werden gereinigt und unter einem Gewicht sanft gepresst. Das Öl schöpft man mit einer Kelle ab und lagert es kühl und trocken. Die Herstellung nach den antiken Quellen fasst die Übersichtsarbeit zusammen. Auch Bilder und Funde zeigen kleine Pressen. In Pompeji zeigt ein Wandbild im Haus der Vettier Amoretten bei der Parfümherstellung. Auf dem Bild bedienen sie eine kleine Presse für aromatische Öle. In Delos und Paestum standen solche Pressen in den Parfümläden. Die Kundschaft konnte zusehen.

Das Öl hinter dem Parfüm:

Von 28 untersuchten römischen Parfümrezepten nutzt die große Mehrheit Olivenöl als Grundöl, in dem die Duftstoffe gelöst werden. Plinius nennt dabei meist Omphacinon. Nachbauten alter Rezepte zeigen ein gemischtes Bild. Mit Safran wurde der Duft intensiver, mit Narde schwächer. Beim Salböl für religiöse Zwecke war kein deutlicher Unterschied zu riechen. Die Forscher vermuten, dass hier die lange Haltbarkeit den Ausschlag gab. Die Rezepte und Nachbauten beschreibt die Übersichtsarbeit im Abschnitt zur Parfümindustrie.
Das Öl war teuer. Vor allem die Oberschicht nutzte es, in der Küche nur gelegentlich. Die rabbinischen Schriften erzählen vom Schönheitsprogramm der Königin Ester. Sechs Monate badete sie in Myrrhenöl. Der Gelehrte Rav Jehuda meinte, es sei Omphacinon gewesen, weil es Haare entferne und die Haut verfeinere. Im Tempel von Jerusalem war Omphacinon dagegen umstritten. Es galt als unvollständiges Öl. Im Mittelalter nannten arabische Ärzte es anfaq. Später bezeichnete dieses Wort gutes reifes Öl, und das unreife hieß Zeit al-Falastin. Der Gelehrte Maimonides beschreibt es als bitteres Öl aus grünen Oliven. Die Belege aus Talmud, Mischna und mittelalterlichen Schriften führt die Übersichtsarbeit auf.

Die alten Heilversprechen:

Die Menschen der Antike kannten weder Chemie noch Labor. Ihre Medizin arbeitete mit Eigenschaften wie heiß, kalt, trocken und feucht. Sie wählten das Öl nach Geruch, Geschmack und Erfahrung. Dass sich diese Wahl heute teilweise chemisch erklären lässt, beweist keine Heilwirkung. Moderne Analysen zeigen: Öl aus unreifen Oliven enthält mehr Polyphenole, mehr Vitamin E und mehr Squalen. Polyphenole sind Pflanzenstoffe, die das Öl vor dem Ranzigwerden schützen. Das Öl hält deshalb länger. Die Autoren der Übersichtsarbeit stufen Haltbarkeit und Einsatz als Grundöl als gut belegt ein. Für Mundpflege und Haut fehlen Studien mit unreifem Öl. Sie sehen Omphacinon als Forschungsthema und nicht als Therapie. Die Zusammenfassung der Autoren steht auf PubMed.
In Griechenland lebt der Name weiter. Agourelaio heißt dort das Öl aus unreifen, noch grünen Oliven. Die Oliven werden im Oktober von Hand gepflückt und sofort verarbeitet. Die Übersichtsarbeit nennt außerdem Agoureleo Chalkidikis als Sorte, aus der heute Öl dieser Art entsteht.

Key Facts & Highlights

Die Antike zahlte für Öl aus grünen Oliven einen Aufpreis, und das Maroulia Frühöl von der Mani führt diese alte Vorliebe fort, nur ohne Parfümladen und ohne Fresko.
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