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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Ein weiter Blick über die Olivenhaine der Mani am Fuße des Taygetos-Gebirges. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Die Mani

Wie wurde in der Mani aus altem Olivenöl Seife?

Altes Olivenöl und der Bodensatz aus den Lagertanks konnten in griechischen Olivenregionen noch als Rohstoff für Seife dienen. Dahinter steckt eine einfache chemische Reaktion.
In der Mani musste früher vieles mehrfach genutzt werden. Olivenöl war Lebensmittel und zugleich ein wichtiger Rohstoff im Haushalt. Öl, das nach längerer Lagerung an Qualität verloren hatte, gebrauchtes Frittieröl und der dunkle Bodensatz aus den Lagertanks konnten noch einen anderen Zweck erfüllen: Daraus ließ sich Seife herstellen. Der Bodensatz wird in Griechenland regional als mourga bezeichnet. Er enthält neben Öl auch Wasser und feine Bestandteile aus der Verarbeitung der Oliven. Vergleichbare traditionelle Verfahren sind aus verschiedenen griechischen Olivenregionen dokumentiert. In Messinien wurde beispielsweise der Bodensatz aus den Öltanks zusammen mit altem oder bereits verwendetem Olivenöl zur Seifenherstellung genutzt.

Verseifung – aus Öl wird Seife:

Olivenöl besteht überwiegend aus sogenannten Triglyceriden. Vereinfacht gesagt sind dabei drei Fettsäuren mit einem Glycerinmolekül verbunden. Eine starke Lauge spaltet diese Verbindung auf. Die Fettsäuren verbinden sich anschließend mit Natrium oder Kalium und bilden die eigentlichen Seifenstoffe. Das Glycerin entsteht dabei ebenfalls und kann bei bestimmten Herstellungsverfahren in der Seife verbleiben. Diese chemische Reaktion heißt Verseifung. Für Olivenöl wird als Richtwert häufig ein Natriumhydroxid-Wert von etwa 0,134 Gramm NaOH pro Gramm Öl angegeben. Der genaue Bedarf hängt jedoch vom verwendeten Öl und von seiner tatsächlichen Zusammensetzung ab. Eine Seifenrezeptur sollte deshalb mit einem geeigneten Laugenrechner berechnet werden und nicht allein anhand eines Tabellenwertes.
Traditionell wurde Olivenölseife in Griechenland häufig im heißen Verfahren hergestellt. Das Öl wurde in großen Kesseln erhitzt und die Lauge schrittweise zugegeben. Durch die Wärme und das Rühren lief die Verseifung über längere Zeit ab. Die Seifenmasse wurde anschließend zum Erstarren gebracht, geschnitten und getrocknet. Ein dokumentiertes Beispiel aus Samos beschreibt genau dieses Verfahren mit altem oder höher belastetem Olivenöl beziehungsweise Rückständen aus der Ölverarbeitung. Auch dort wurde früher Holzasche als Quelle für alkalische Stoffe eingesetzt.

Holzasche als historische Laugenquelle:

Vor der industriellen Herstellung von Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid konnten alkalische Lösungen aus Holzasche gewonnen werden. Beim Durchleiten von Wasser durch geeignete Asche werden vor allem Kaliumverbindungen herausgelöst. Das Ergebnis ist eine alkalische Flüssigkeit, deren Zusammensetzung und Stärke stark von der verwendeten Asche und der Herstellung abhängen. Genau deshalb war eine solche Aschelauge deutlich schwerer zu dosieren als eine moderne, chemisch definierte Lauge. Pottasche besteht hauptsächlich aus Kaliumcarbonat. Sie ist alkalisch, aber nicht mit reinem Kaliumhydroxid gleichzusetzen. Historische Seifenherstellung mit Asche lässt sich in verschiedenen Mittelmeerregionen nachweisen.
Die moderne Herstellung von handgemachter Olivenölseife kann auch im Kaltverfahren erfolgen. Dabei werden Öl und eine vorbereitete Laugenlösung ohne längeres Kochen miteinander vermischt. Die Masse beginnt einzudicken und wird anschließend in eine Form gegeben. Danach muss die Seife über längere Zeit reifen. Das Verfahren unterscheidet sich damit deutlich von der traditionellen Heißverseifung, bei der die Reaktion durch Erhitzen unterstützt wird. Für beide Verfahren gilt: Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid sind ätzende Stoffe. Beim Ansetzen der Lauge entsteht Wärme. Schutzbrille, geeignete Handschuhe und eine kontrollierte Arbeitsweise sind deshalb zwingend. Die Lauge wird immer in das Wasser gegeben und nicht umgekehrt. Auch fertige Seife braucht ausreichend Reifezeit, bevor sie sicher verwendet werden kann. Eine Untersuchung zu handgemachter Olivenölseife beschreibt eine Reifezeit von mehreren Wochen bis zur stabilen fertigen Seife.

Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid:

Natriumhydroxid, kurz NaOH, wird vor allem für feste Stückseife verwendet. Kaliumhydroxid, kurz KOH, wird vor allem für weiche Seifen und Flüssigseifen eingesetzt. Die beiden Laugen sind chemisch nicht austauschbar. Für Olivenöl werden als ungefähre Richtwerte etwa 0,134 Gramm NaOH oder 0,188 Gramm KOH pro Gramm Öl angegeben. Diese Werte sind Ausgangswerte für Berechnungen und keine fertigen Rezepte. Bei einem konkreten Ansatz müssen Ölmenge, Zusammensetzung, Laugenreinheit und gewünschte Überfettung berücksichtigt werden.
Die alte Seife aus Olivenöl hatte eine sehr praktische Aufgabe. Rohstoffe, die für die Küche nicht mehr geeignet waren, konnten noch für Reinigung und Wäsche genutzt werden. Dieses Prinzip passt zu einer ländlichen Wirtschaftsweise, in der möglichst wenig verloren ging: Aus altem Öl wurde Seife, aus der Asche konnte Lauge gewonnen werden, und selbst der Bodensatz aus dem Öltank bekam noch eine Verwendung. Das Kaltverfahren läuft ohne Kochen ab. Öl und abgekühlte Lauge werden verrührt, bis die Masse puddingartig bindet – das nennt man Trace. Dann wird sie in Formen gegossen: ausgekleidete Kartons, oder – wie traditionell in der Mani – aufgeschnittene Kanister. Nach 24 bis 48 Stunden ist die Seife soweit erstarrt, dass sie geschnitten werden kann. Direkt nach dem Erstarren enthält die Seife noch freie Lauge. Erst im Laufe von vier bis sechs Wochen setzt sich die Verseifungsreaktion vollständig um, der pH-Wert sinkt auf ein hautverträgliches Niveau. Eine Seife, die zu früh verwendet wird, reizt die Haut. Der pH-Wert lässt sich mit einem Teststreifen messen – unter 9 gilt als hautverträglich. Detaillierte Anleitungen mit Verseifungstabellen und Laugenrechner für verschiedene Öle findet man unter naturseife.com.

Key Facts & Highlights

Aus dem alten Olivenöl blieb am Ende noch etwas übrig, das im Haushalt gebraucht werden konnte: Seife.

Key Facts & Highlights

  • Altes Olivenöl und Bodensatz aus Öltanks wurden in griechischen Olivenregionen traditionell zur Seifenherstellung verwendet
  • Bei der Verseifung reagieren Fette und Öle mit einer alkalischen Lauge zu Seifenstoffen und Glycerin
  • Traditionelle griechische Olivenölseife wurde häufig im heißen Verfahren hergestellt
  • Holzasche konnte früher als Quelle alkalischer Kaliumverbindungen für die Seifenherstellung dienen
  • NaOH wird vor allem für feste Seife verwendet, KOH vor allem für weiche oder flüssige Seife
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