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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt (SA)
Gesundheit und Beauty: Vitalität aus der Olive

Was macht Olivenoel mit unserem Gehirn und unserer Stimmung?

Von der Vorbeugung gegen Demenz bis zur Stimmung, was Olivenöl im Kopf tatsächlich bewirken kann, und wo die Grenzen liegen.

Key Facts & Highlights

  • Eine große Ernährungsstudie fand bei zusätzlichem Olivenölkonsum einen langsameren Abbau der Denkleistung im Alter
  • Der Bitterstoff Oleocanthal half im Tierversuch, Alzheimer-typische Eiweißablagerungen im Gehirn abzubauen
  • Menschen, die über 28 Jahre Margarine durch Olivenöl ersetzten, verstarben in einer großen Studie seltener an einer mit Demenz verbundenen Ursache
  • Eine olivenölreiche mediterrane Ernährung wird in mehreren Studien mit selteneren oder milderen Depressionen in Verbindung gebracht
  • Polyphenolreiches Olivenöl senkte in einer Studie den Blutdruck, für die Nervenleitgeschwindigkeit sind dagegen Omega-3-Fettsäuren aus Fisch zuständig, nicht Olivenöl
Das Gehirn gehört zu den Organen, bei denen Ernährung über Jahrzehnte hinweg eine Rolle spielt, nicht von einem Tag auf den anderen. Bei Olivenöl gibt es hier gleich mehrere Untersuchungen, die in dieselbe Richtung weisen. Ältere Menschen, die im Rahmen einer großen spanischen Ernährungsstudie zusätzlich Olivenöl oder Nüsse bekamen, bauten über die Jahre weniger stark in ihrer Denkleistung ab als eine Vergleichsgruppe. In einer Laboruntersuchung an Mäusen konnte ein Bitterstoff aus Olivenöl dabei helfen, bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn schneller abzubauen, die typischerweise bei Alzheimer eine Rolle spielen. Eine sehr große amerikanische Langzeituntersuchung mit über 92.000 Teilnehmenden über 28 Jahre fand außerdem, dass Menschen, die Margarine durch eine ähnliche Menge Olivenöl ersetzten, seltener an einer mit Demenz verbundenen Ursache verstarben.

Was im Mäuseversuch genau passierte:

Der untersuchte Bitterstoff heißt Oleocanthal und ist derselbe Stoff, der beim Verkosten von frischem, hochwertigem Olivenöl das bekannte Kratzen im Hals auslöst. Im Tierversuch half er dabei, klebrige Eiweißklumpen im Gehirn abzutransportieren, die als eine der Ursachen von Alzheimer gelten. Wichtig für die Einordnung, das war eine Untersuchung an Mäusen, kein Nachweis, dass derselbe Effekt beim Menschen in gleicher Stärke auftritt. Die Beobachtungsstudien an Menschen liefern aber ein passendes, ergänzendes Bild.
Neben dem Gedächtnis gibt es einen zweiten, weniger bekannten Bereich, in dem Olivenöl eine Rolle spielt, die Stimmung. Eine große spanische Langzeitbeobachtung fand bei Menschen mit hohem Olivenölkonsum ein geringeres Risiko, im Laufe der Zeit an einer Depression zu erkranken. Eine kleinere australische Untersuchung ging noch einen Schritt weiter und teilte Menschen mit bestehender Depression zufällig einer mediterranen Ernährung mit Olivenöl oder einer gewohnten Ernährung zu. Nach zwölf Wochen zeigte etwa ein Drittel der Ernährungsgruppe eine deutliche Besserung. Wichtig ist hier die ehrliche Einordnung, das betraf die gesamte Ernährungsumstellung, nicht Olivenöl für sich allein, und es ersetzt keine notwendige Behandlung, sondern kann sie höchstens sinnvoll ergänzen. Ein dritter Bereich betrifft den Teil des Nervensystems, der automatisch arbeitet, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken, zuständig unter anderem für Verdauung, Herzschlag und Blutdruck. Fett aus dem Darm setzt über eine Nervenverbindung zwischen Darm und Gehirn ein Sättigungssignal frei, das Hungergefühl und Essverhalten mitsteuert. Zusätzlich zeigte eine Untersuchung mit 50 Teilnehmenden, dass polyphenolreiches Olivenöl den oberen Blutdruckwert bei gesunden Erwachsenen senken konnte, während dasselbe Öl ohne diese Pflanzenstoffe keinen solchen Effekt hatte. Blutdruck wird maßgeblich von genau diesem automatisch arbeitenden Nervensystem geregelt.

Was Olivenöl für die Nervenleitung nicht leistet:

Wie schnell Nervenzellen Signale weiterleiten, hängt stark von einer Fettschicht um die Nervenfasern ab, die wie die Isolierung eines Kabels wirkt. Diese Schicht wird vor allem aus Omega-3-Fettsäuren aufgebaut, wie sie in fettem Fisch vorkommen, und aus Vitamin B12, nicht aus der Ölsäure des Olivenöls. Für einen direkten Einfluss von Olivenöl auf die Nervenleitgeschwindigkeit gibt es keine Belege, dieser Bereich gehört eher zu einer fischreichen Ernährung. Das schmälert die übrigen, gut belegten Effekte auf Gedächtnis und Stimmung nicht, es sind einfach unterschiedliche Baustellen im selben Nervensystem.
Insgesamt zeigt sich beim Gehirn ein ähnliches Bild wie bei anderen Organen, Olivenöl wirkt nicht punktuell an einer einzigen Stelle, sondern über mehrere, jeweils moderate Effekte auf Gedächtnis, Stimmung und die automatische Steuerung von Blutdruck und Sättigung.

Key Facts & Highlights

Beim Gehirn zeigt Olivenöl kein einzelnes Wundermittel-Talent, sondern mehrere kleine, über Jahre wirksame Effekte auf Gedächtnis, Stimmung und die automatische Steuerung des Körpers.
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