Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty
Wie wirkt sich Olivenöl auf Leber und Darm aus?
Olivenöl ist Teil einer Ernährung, die mit günstigen Effekten auf Leber und Darm verbunden ist. Die Forschung zeigt dabei interessante Zusammenhänge, aber kein Heilmittel für bestehende Erkrankungen.
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Leber und Darm sind eng miteinander verbunden. Der Darm nimmt Bestandteile der Nahrung auf und gibt sie an den Blutkreislauf weiter. Die Leber verarbeitet viele dieser Stoffe und spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel. Deshalb kann die Ernährung beide Organe gleichzeitig beeinflussen. Bei Olivenöl zeigt die Forschung vor allem Zusammenhänge mit einer günstigeren Stoffwechselsituation und einer geringeren Ausprägung einer Fettleber. Eine randomisierte Studie mit 66 Menschen mit nichtalkoholischer Fettleber verglich 20 Gramm Olivenöl täglich mit Sonnenblumenöl. Alle Teilnehmenden erhielten zusätzlich eine kalorienreduzierte Ernährung. Nach zwölf Wochen war der Schweregrad der Fettleber in beiden Gruppen zurückgegangen. Die Abnahme war in der Olivenölgruppe stärker. Auch eine Auswertung der PREDIMED-Studie liefert Hinweise in diese Richtung. Bei 100 älteren Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko wurde eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem nativem Olivenöl extra mit einer mediterranen Ernährung mit Nüssen und einer Kontrollernährung verglichen. Nach drei Jahren lag der Anteil der Teilnehmenden mit einer festgestellten Fettleber in der Olivenölgruppe bei 8,8 Prozent. In den beiden anderen Gruppen waren es jeweils 33,3 Prozent. Die randomisierte Studie zur Olivenölaufnahme bei nichtalkoholischer Fettleber ist bei PubMed dokumentiert. Die PREDIMED-Auswertung zur Fettleber ist ebenfalls bei PubMed veröffentlicht.Auch für den Darm gibt es interessante Hinweise. Eine britische Untersuchung im Rahmen der EPIC-Kohorte erfasste mehr als 25.000 Menschen im Alter von 40 bis 65 Jahren, die zu Beginn keine Colitis ulcerosa hatten. Von den Teilnehmenden entwickelten im weiteren Verlauf 22 Personen eine Colitis ulcerosa. Die Gruppe mit der höchsten Aufnahme von Ölsäure hatte im Vergleich zur Gruppe mit der niedrigsten Aufnahme ein deutlich geringeres Risiko, an Colitis ulcerosa zu erkranken. Ölsäure ist die wichtigste einfach ungesättigte Fettsäure im Olivenöl. Die Untersuchung war allerdings eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt deshalb einen Zusammenhang zwischen der Ölsäureaufnahme und dem Erkrankungsrisiko, beweist aber keine vorbeugende Wirkung von Olivenöl. Die University of East Anglia beschreibt die Untersuchung mit mehr als 25.000 Teilnehmenden.Bei Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist deshalb Zurückhaltung wichtig. Eine mediterrane Ernährung kann bei entzündlichen Darmerkrankungen untersucht werden, doch die bisherigen Ergebnisse lassen sich nicht auf die Wirkung von Olivenöl allein übertragen. Eine sechsmonatige Untersuchung mit 142 Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zeigte unter einer mediterranen Ernährung Verbesserungen bei Körpergewicht, Bauchumfang und verschiedenen Krankheitsparametern. Gleichzeitig ging die Zahl der Menschen mit aktiver Erkrankung zurück. Die Intervention bestand jedoch aus einer gesamten mediterranen Ernährung und nicht aus einer isolierten Gabe von Olivenöl. Die sechsmonatige Untersuchung zur mediterranen Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen ist bei PubMed veröffentlicht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Bei einer bestehenden Darmerkrankung kann eine Ernährungsumstellung eine unterstützende Rolle spielen. Sie ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose und keine Behandlung. Auch bei der Leber gilt: Eine Fettleber entsteht nicht durch einen einzelnen Bestandteil der Ernährung. Körpergewicht, Energiezufuhr, Bewegung, Stoffwechsel und die gesamte Zusammensetzung der Ernährung spielen eine Rolle. Olivenöl kann dabei eine geeignete Fettquelle innerhalb einer mediterranen Ernährungsweise sein. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch stärker für das gesamte Ernährungsmuster als für die isolierte Wirkung eines einzelnen Lebensmittels. Für den Darm gilt eine ähnliche Einordnung. Ölsäure und andere Bestandteile des Olivenöls zeigen interessante biologische Eigenschaften. Aus Laborergebnissen oder Beobachtungsstudien lässt sich jedoch keine Behandlungsempfehlung für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ableiten.
Was Leberwerte zeigen:
ALT und AST sind Enzyme, die unter anderem in Leberzellen vorkommen. Bei einer Schädigung von Leberzellen können größere Mengen dieser Enzyme ins Blut gelangen. Sinkende Werte können deshalb auf eine Verbesserung hinweisen. Sie sagen jedoch nicht allein aus, ob eine Fettleber verschwunden ist oder wie stark eine Erkrankung fortgeschritten ist. Eine 2024 veröffentlichte Metaanalyse von sieben randomisierten Studien mit insgesamt 515 Menschen mit nichtalkoholischer Fettleber fand keine statistisch signifikanten Unterschiede bei ALT oder AST durch Olivenöl. Der mögliche Nutzen von Olivenöl lässt sich deshalb nicht auf eine einfache Aussage wie "Olivenöl senkt die Leberwerte" reduzieren. Die Metaanalyse der randomisierten Studien ist bei PubMed veröffentlicht.Was im Darm auf Zellebene passiert:
Ein Laborversuch mit menschlichen Darmmuskelzellen von Menschen mit Morbus Crohn verglich Linolsäure und Ölsäure. Linolsäure erhöhte in den untersuchten Zellen die Bildung des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin-8 deutlich. Ölsäure löste diesen Effekt unter den Versuchsbedingungen nicht aus. Das Ergebnis macht einen biologischen Unterschied zwischen verschiedenen Fettsäuren sichtbar. Es beweist jedoch nicht, dass Olivenöl eine chronisch entzündliche Darmerkrankung beim Menschen behandelt oder einen akuten Schub verhindert. Die Zellstudie zu Linolsäure und Ölsäure bei Morbus Crohn ist bei PubMed dokumentiert.Key Facts & Highlights
Für Leber und Darm gilt damit derselbe Grundsatz: Olivenöl kann Teil einer günstigen Ernährung sein, die Forschung macht daraus aber kein Heilmittel.Key Facts & Highlights
- In einer PREDIMED-Auswertung war eine mediterrane Ernährung mit nativem Olivenöl extra bei älteren Menschen mit einer geringeren Häufigkeit einer festgestellten Fettleber verbunden
- Eine randomisierte Studie mit 66 Menschen mit nichtalkoholischer Fettleber fand nach zwölf Wochen eine stärkere Verringerung des Fettlebergrades mit Olivenöl als mit Sonnenblumenöl
- Eine Metaanalyse von sieben randomisierten Studien mit 515 Menschen fand keinen signifikanten Gesamteffekt von Olivenöl auf ALT oder AST
- Eine Beobachtungsstudie mit mehr als 25.000 Menschen fand einen Zusammenhang zwischen höherer Ölsäureaufnahme und einem geringeren Risiko für Colitis ulcerosa
- In menschlichen Darmzellen löste Linolsäure einen entzündungsfördernden Effekt aus, während Ölsäure diesen Effekt unter den Versuchsbedingungen nicht zeigte

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