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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty

Ist Olivenöl bei Typ-2-Diabetes gesund?

Olivenöl kann Teil einer günstigen Ernährung bei Typ-2-Diabetes sein. Studien zeigen mögliche Vorteile für Stoffwechsel und Diabetesrisiko, die Wirkung ist aber nicht mit einer Therapie gleichzusetzen.
Bei Typ-2-Diabetes spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Olivenöl kann dabei ein sinnvoller Bestandteil sein, vor allem wenn es andere Fettquellen in der Ernährung ersetzt. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings differenzierter, als manche Aussagen über Olivenöl vermuten lassen. Eine aktuelle systematische Auswertung von 51 randomisierten Studien mit 4334 Erwachsenen fand insgesamt keine statistisch signifikante Verbesserung von Blutzucker, Insulin, HbA1c oder HOMA-IR durch Olivenöl allein. Gleichzeitig zeigen einzelne kontrollierte Studien und Untersuchungen mit polyphenolreichem nativem Olivenöl günstige Veränderungen bestimmter Stoffwechselwerte. Entscheidend ist deshalb die Frage, unter welchen Bedingungen und in welcher Ernährungsform Olivenöl eingesetzt wird.

Olivenöl und Insulinempfindlichkeit:

Olivenöl besteht überwiegend aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Die wichtigste davon ist Ölsäure. Sie beeinflusst die Zusammensetzung und Eigenschaften von Zellmembranen und steht deshalb seit Jahren im Mittelpunkt der Forschung zur Insulinwirkung. Eine wissenschaftliche Übersicht beschreibt die Bedeutung von Ölsäure und weiteren Bestandteilen von nativem Olivenöl für Aufbau und Funktion von Zellmembranen. Daraus lässt sich jedoch keine einfache Aussage ableiten, dass Olivenöl bei Menschen mit Typ-2-Diabetes automatisch die Insulinresistenz beseitigt.
Besonders interessant ist die Forschung zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes. In der PREDIMED-Reus-Studie wurden 418 Menschen ohne Diabetes im Alter von 55 bis 80 Jahren untersucht. Eine Gruppe erhielt eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem nativem Olivenöl, eine weitere eine mediterrane Ernährung mit Nüssen und die Kontrollgruppe Empfehlungen für eine fettärmere Ernährung. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von vier Jahren lag die Diabetesinzidenz in der Olivenölgruppe bei 10,1 Prozent und in der Kontrollgruppe bei 17,9 Prozent. Das entsprach in der statistisch angepassten Auswertung einem um etwa 51 Prozent niedrigeren Risiko. Die Originalpublikation in Diabetes Care dokumentiert die Ergebnisse der PREDIMED-Reus-Studie. Eine spätere Auswertung des größeren PREDIMED-Kollektivs mit 3541 Personen ohne Diabetes zu Studienbeginn kam für die mediterrane Ernährung mit nativem Olivenöl auf eine Risikoreduktion von etwa 40 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe. Die Auswertung der PREDIMED-Daten beschreibt diesen Zusammenhang bei 3541 Teilnehmern ohne Diabetes. Wichtig ist die Einordnung: Untersucht wurde eine gesamte mediterrane Ernährungsweise mit Olivenöl. Die Ergebnisse beweisen daher nicht, dass Olivenöl als einzelnes Lebensmittel allein für die Risikoreduktion verantwortlich war.

Diabetesprävention und Behandlung sind zwei verschiedene Fragen:

Ein niedrigeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, lässt sich nicht mit einer Behandlung eines bereits bestehenden Diabetes gleichsetzen. Bei Menschen mit bestehendem Typ-2-Diabetes gibt es ebenfalls Studien mit günstigen Ergebnissen, doch die Effekte sind kleiner und nicht in allen Untersuchungen einheitlich. Eine aktuelle Meta-Analyse randomisierter Studien fand für Olivenöl insgesamt keine signifikante Verbesserung von HbA1c, Nüchternglukose oder HOMA-IR. Die aktuelle Meta-Analyse von 51 randomisierten Studien zeigt die uneinheitliche Datenlage bei der Blutzuckerkontrolle.
Auch die Zusammensetzung des Olivenöls kann eine Rolle spielen. Natives Olivenöl extra enthält neben Ölsäure verschiedene phenolische Verbindungen. Dazu gehören unter anderem Tyrosol und Hydroxytyrosol. Laboruntersuchungen zeigen, dass solche Stoffe biologische Wirkungen auf Zellen haben können. Bei menschlichen Studien sind die Ergebnisse zurückhaltender. Eine kleine kontrollierte Untersuchung mit elf übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes verglich vier Wochen raffiniertes Olivenöl mit vier Wochen polyphenolreichem nativem Olivenöl extra. Bei dem polyphenolreichen Öl gingen Nüchternglukose und HbA1c zurück. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und der kurzen Studiendauer lässt sich daraus noch keine allgemeine Therapieempfehlung ableiten. Die Studie zum polyphenolreichen nativen Olivenöl beschreibt die Veränderungen bei Nüchternglukose und HbA1c. Eine weitere Forschungsrichtung betrifft die Elenolsäure. Sie ist ein Stoff aus dem Stoffwechsel der Olive und wurde in experimentellen Untersuchungen untersucht. In Mäusen konnte Elenolsäure die Ausschüttung der Darmhormone GLP-1 und PYY anregen und die Glukosetoleranz verbessern. Die verwendeten Mengen lagen allerdings weit über dem, was sich allein aus normalem Olivenöl ableiten lässt. Die Forschungsarbeit der Virginia Tech University beschreibt die Wirkung von Elenolsäure in Zell- und Tiermodellen. Daraus ergibt sich ein interessanter Forschungsansatz, aber noch keine Aussage über eine Behandlung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Für die praktische Ernährung ist vor allem die Gesamtzusammensetzung der Mahlzeiten entscheidend. Olivenöl kann Butter und andere Fette ersetzen und passt besonders gut zu Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und anderen Bestandteilen einer mediterranen Ernährung. Dadurch verändert sich die Fettqualität der gesamten Ernährung, ohne dass zusätzliche Kalorien notwendig werden. Für Menschen mit Diabetes ist das wichtig, weil Olivenöl mit rund neun Kilokalorien pro Gramm energiereich ist. Wird es einfach zusätzlich zu einer bereits ausreichenden Ernährung gegessen, steigt die Energiezufuhr entsprechend an. Als alleinige Maßnahme zur Senkung des Blutzuckers ist Olivenöl nicht geeignet. Eine bestehende Diabetesbehandlung sollte deshalb nicht wegen des Olivenölkonsums verändert oder abgesetzt werden.

Key Facts & Highlights

Olivenöl kann bei Typ-2-Diabetes sinnvoll in eine ausgewogene Ernährung passen, die Krankheit behandelt es jedoch nicht.
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