Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty
Reicht Olivenöl gegen Zivilisationskrankheiten, oder braucht es mehr?
Olivenöl ist ein Baustein der mediterranen Ernährung. Für die Gesundheit spielen auch Bewegung, Erholung, soziale Kontakte und weitere Ernährungsgewohnheiten eine wichtige Rolle.
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Olivenöl kann Teil einer gesundheitsfördernden Ernährung sein. Seine Wirkung lässt sich aber nicht von allen anderen Lebensgewohnheiten trennen. Zu den Faktoren, die bei vielen chronischen Erkrankungen eine Rolle spielen, gehören unter anderem Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht, Schlaf, Stress und soziale Beziehungen. Eine einzelne Zutat kann diese verschiedenen Bereiche nicht ersetzen. Eine große Untersuchung aus der UK Biobank zeigt, wie breit der Begriff mediterraner Lebensstil gefasst werden kann. Die Forschenden untersuchten 110.799 Erwachsene im Alter von 40 bis 75 Jahren und bewerteten drei Bereiche des sogenannten MEDLIFE-Index: mediterrane Lebensmittel, mediterrane Ernährungsgewohnheiten sowie Bewegung, Ruhe, soziale Gewohnheiten und gemeinschaftliches Leben. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 9,4 Jahren waren 4.247 Todesfälle, darunter 2.401 Krebstodesfälle und 731 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dokumentiert. Personen mit einer stärkeren Ausprägung des mediterranen Lebensstils hatten im Vergleich zu Personen mit einer geringeren Ausprägung ein um 29 Prozent niedrigeres Risiko für Tod aus allen Ursachen und ein um 28 Prozent niedrigeres Risiko für Tod durch Krebs. Die Harvard T.H. Chan School of Public Health fasst die Ergebnisse der MEDLIFE-Untersuchung zusammen. Die Studie zeigt dabei einen Zusammenhang und beweist nicht, dass der mediterrane Lebensstil die geringere Sterblichkeit direkt verursacht hat. Besonders deutlich war der Zusammenhang im Bereich Bewegung, Ruhe, soziale Gewohnheiten und gemeinschaftliches Leben. Dieser Bereich war außerdem mit einer niedrigeren Herz-Kreislauf-Sterblichkeit verbunden. Die Beschreibung der Studie nennt die drei Bereiche des MEDLIFE-Index und ihre statistischen Zusammenhänge.Für die Ernährung selbst gibt es ebenfalls wissenschaftliche Hinweise. Die PREDIMED-Studie war eine große randomisierte Untersuchung mit 7.447 Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko. Verglichen wurden eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem nativem Olivenöl extra, eine mediterrane Ernährung mit Nüssen und eine Kontrollgruppe mit Empfehlungen zu einer fettärmeren Ernährung. In einer Auswertung nach vier Jahren war der diastolische Blutdruck in beiden mediterranen Gruppen niedriger als in der Kontrollgruppe. Die Blutdruckauswertung der PREDIMED-Studie ist bei PubMed dokumentiert. Eine weitere randomisierte PREDIMED-Auswertung untersuchte die 24-Stunden-Blutdruckwerte bei 235 Personen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko. Nach einem Jahr waren Blutdruck, Gesamtcholesterin und Nüchternglukose in der Gruppe mit mediterraner Ernährung und nativem Olivenöl extra günstiger als unter der Kontrollernährung. Die Untersuchung der 24-Stunden-Blutdruckwerte ist bei PubMed veröffentlicht. Auch die Frage nach Depressionen wurde innerhalb von PREDIMED untersucht. Eine ältere Analyse fand keinen statistisch signifikanten Unterschied beim allgemeinen Auftreten neuer Depressionen zwischen der mediterranen Ernährung und der Kontrollgruppe. Bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes zeigte sich in einer Untergruppe ein statistisch signifikanter Zusammenhang für die mediterrane Ernährung mit Nüssen. Eine spätere randomisierte Untersuchung bei Menschen mit bereits durchgemachten Depressionen fand Verbesserungen einzelner depressiver Symptome unter einer mediterranen Ernährung mit nativem Olivenöl extra, während das Risiko eines erneuten Auftretens einer Depression nicht signifikant verändert war. Die ursprüngliche PREDIMED-Auswertung zu Depressionen und die spätere randomisierte Untersuchung zu depressiven Symptomen zeigen, warum diese Ergebnisse differenziert betrachtet werden müssen.Damit wird auch der praktische Punkt dieses Themas klar. Ein mediterraner Lebensstil besteht aus mehreren Bereichen. Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Olivenöl gehört dazu. Ebenso wichtig sind regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichende Erholung und soziale Kontakte. Dabei muss niemand alle Bereiche gleichzeitig vollkommen umsetzen. Schon einzelne Veränderungen können sinnvoll sein, ohne dass daraus ein vollständiges mediterranes Lebensmodell werden muss. Auch die Aussage, Tageslicht sei ein eigenständiger Gesundheitsfaktor, sollte differenziert betrachtet werden. Tageslicht beeinflusst die innere Uhr und kann die Schlaf-Wach-Regulation unterstützen. Vitamin D wird unter Einwirkung von UV-B-Strahlung in der Haut gebildet. Wie stark dies geschieht, hängt unter anderem von Jahreszeit, Tageszeit, Hauttyp, Kleidung und Aufenthaltsort ab. Daraus lässt sich keine allgemeine Empfehlung ableiten, möglichst lange in der Sonne zu bleiben. Für die gesundheitliche Bedeutung von Bewegung, Schlaf und sozialen Kontakten gibt es unabhängig vom Olivenöl zahlreiche Forschungsansätze. Im Zusammenhang mit dem mediterranen Lebensstil zeigt gerade die MEDLIFE-Untersuchung, dass diese Bereiche bei der statistischen Betrachtung eine eigene Rolle spielen. Die Ergebnisse der MEDLIFE-Studie bei der Harvard T.H. Chan School of Public Health machen damit einen wichtigen Unterschied sichtbar: Eine mediterrane Ernährung ist ein Bestandteil des Lebensstils, der Lebensstil umfasst jedoch mehr als die Ernährung.
Was die MEDLIFE-Studie tatsächlich untersucht hat:
Die Untersuchung war eine prospektive Beobachtungsstudie. Die Teilnehmenden wurden anhand ihrer Angaben zu Ernährung und Lebensgewohnheiten einem MEDLIFE-Wert zugeordnet und anschließend über Jahre beobachtet. Ein höherer Wert war mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Aus einer solchen Studie lässt sich jedoch nicht ableiten, dass einzelne Bestandteile des Lebensstils eine bestimmte Zahl an Todesfällen verhindert haben. Unterschiede zwischen den Personengruppen können auch durch andere Faktoren beeinflusst sein. Die Aussage "29 Prozent niedrigeres Risiko" beschreibt deshalb einen statistischen Zusammenhang und keine garantierte Wirkung eines mediterranen Lebensstils.Olivenöl ist ein Teil der Ernährung:
Die PREDIMED-Studie untersucht keine einzelne Flasche Olivenöl unabhängig vom übrigen Speiseplan. Die Teilnehmenden erhielten eine mediterrane Ernährungsberatung und zusätzlich natives Olivenöl extra oder Nüsse. Zur mediterranen Ernährung gehörten unter anderem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Olivenöl. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht einfach auf die Aussage reduzieren, dass Olivenöl allein vor Zivilisationskrankheiten schützt. Sie beziehen sich auf ein Ernährungsmuster, in dem Olivenöl eine wichtige Fettquelle darstellt.Key Facts & Highlights
Olivenöl gehört zum mediterranen Lebensstil dazu, aber Gesundheit passt nicht in eine Flasche.Key Facts & Highlights
- Eine UK-Biobank-Studie mit 110.799 Personen fand bei höherer MEDLIFE-Ausprägung 29 Prozent weniger Gesamtsterblichkeit und 28 Prozent weniger Krebssterblichkeit
- Die MEDLIFE-Untersuchung erfasste Ernährung sowie Bewegung, Ruhe, soziale Gewohnheiten und gemeinschaftliches Leben
- In PREDIMED war eine mediterrane Ernährung mit nativem Olivenöl extra oder Nüssen mit günstigeren diastolischen Blutdruckwerten verbunden
- Eine einjährige PREDIMED-Auswertung fand unter mediterraner Ernährung mit nativem Olivenöl extra günstigere Werte bei Blutdruck, Gesamtcholesterin und Nüchternglukose
- Bei Depressionen zeigen die bisherigen PREDIMED-Daten differenzierte Ergebnisse und rechtfertigen keine pauschale Aussage über einen Schutz durch Olivenöl

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