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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Olivenöl-Expertenwissen: Fakten und Mythen rund um das griechische Olivenöl.
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Warum gibt es im Supermarkt kein einfaches Olivenöl mehr – und was sagt das über die Qualität?

Das Regal ist voll mit nativ extra. Früher stand dort auch schlicht Olivenöl. Was sich verändert hat, ist weniger eine Erfolgsgeschichte als ein Marktphänomen.
Wer heute im deutschen Supermarkt vor dem Olivenölregal steht, findet fast ausnahmslos eine Kategorie: nativ extra, erste Güteklasse. Noch vor zwanzig Jahren gab es daneben schlicht Olivenöl – einfach, ohne Zusatz, auf dem Etikett manchmal als Baumöl oder Speiseöl aus Oliven bezeichnet. Diese Kategorie ist verschwunden. Nicht weil es kein minderwertiges Olivenöl mehr gibt. Sondern weil es niemand mehr so nennt.

Die Güteklassen im Überblick:

Die EU-Verordnung Nr. 1308/2013 unterscheidet acht Kategorien von Olivenöl. Für den Handel relevant sind vier davon. Natives Olivenöl extra, Güteklasse 1: mechanisch gewonnen, keinerlei sensorische Fehler, Säuregehalt unter 0,8 Prozent. Natives Olivenöl, Güteklasse 2: mechanisch gewonnen, leichte sensorische Mängel erlaubt, Säuregehalt bis 2 Prozent. Olivenöl, ohne Zusatz: Verschnitt aus raffiniertem Olivenöl und einem kleinen Anteil nativem Öl. Und Oliventresteröl: aus Pressrückständen mit Lösungsmitteln extrahiert. Die Kategorie einfaches Olivenöl war früher das Standardprodukt vieler Küchen. Es entstand, wenn die Oliven zu lang gelagert, zu sehr geknetet oder in hygienisch unzureichenden Anlagen verarbeitet wurden – oder schlicht aus überreifen Früchten gepresst wurden. Es war kein Betrug. Es war Realität der Produktion. Der Säuregehalt lag über 0,8 Prozent, die Fehlernoten waren wahrnehmbar, das Öl wurde in der Küche zum Kochen verwendet, nicht als Veredelungsöl.
Warum verschwand diese Kategorie aus dem deutschen Handel? Nicht weil die Qualität besser wurde. Experten wie Thomas März vom Fachmagazin Merum oder Mitglieder des Deutschen Olivenöl Panels schätzen, dass 80 bis 90 Prozent des als nativ extra deklarierten Olivenöls im deutschen Handel diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient. Das System funktioniert so: Jeder Produzent kann sein Öl als nativ extra deklarieren, ohne eine Vorprüfung zu bestehen. Erst wenn ein Lebensmittelkontrolleur Einspruch erhebt, wird das Öl auf mehr als zwei Dutzend chemische Parameter und dann optional sensorisch geprüft. Die Analysevorschriften sind so konstruiert, dass industrielle Grossabfüller genau wissen, wie sie ihre Fehler verschleiern können. Das Ergebnis: Das einfache Olivenöl existiert noch. Es heisst nur nativ extra.

Was mit dem Lampantöl der traditionellen Pressen passierte:

In der Mani und anderen Anbauregionen erzeugte die traditionelle Steinmühle regelmässig Öl, das heute als Lampantöl gelten würde: Säuregehalt über 2 Prozent, deutliche Fehlaromen durch Stillstandsgärung in den Pressmatten, oder durch zu lang gelagerte Oliven. Dieses Öl war nicht geniessbar. Es wurde an Sekundärpressen weitergegeben, die durch chemische Extraktion das verbleibende Öl aus Trester und Lampantöl gewannen. Das Ergebnis wurde raffiniert, mit einem kleinen Anteil nativen Öls verschnitten und als schlicht Olivenöl verkauft. Das war legal, transparent und dem Käufer bekannt. Heute läuft derselbe Prozess durch die Hintertür: Lampantöl wird raffiniert, wird als Basis für Olivenöl-Verschnitte verwendet und der Endverbraucher kauft es als nativ extra. Der Unterschied zur früher als solche deklarierten minderwertigen Kategorie: früher war die Güteklasse ehrlich deklariert.
Der Wegfall der Kategorie einfaches Olivenöl aus dem deutschen Supermarkt hat deshalb zwei Lesarten. Die erste: Der Markt hat sich verbessert, moderne Zentrifugenverfahren produzieren zuverlässiger bessere Qualitäten. Die zweite: Die Kategorie existiert noch – sie steht nur unter falschem Label im Regal. Welche Lesart näher an der Wahrheit ist, entscheiden weniger Etiketten als Gaumen. Ein gutes Frühernteöl kratzt im Hals, riecht nach Gras und Artischocke, schmeckt bitter und scharf. Ein Öl, das nichts davon tut, aber nativ extra heisst, erzählt eine andere Geschichte.

Key Facts & Highlights

  • Nativ extra: Säuregehalt unter 0,8%, keinerlei sensorische Fehler – gesetzlicher Mindeststandard, kein Qualitätsversprechen
  • Einfaches Olivenöl: Früher legal als Güteklasse deklariert – heute unter falschem Label vermarktet
  • Lampantöl: Über 2% Säure, nicht geniessbar, wird raffiniert und als Basis für Olivenöl-Verschnitte genutzt
  • Kontrolle: Ohne Vorprüfungspflicht ist das Label nativ extra ein Selbstbekenntnis ohne Garantie
Das Verschwinden des einfachen Olivenöls aus dem Supermarktregal ist kein Qualitätsbeweis. Es ist ein Marketingerfolg.
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