Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty
Was macht Olivenöl mit unserem Magen und der Verdauung?
Vom Schutz der Magenschleimhaut bis zum Sättigungsgefühl – was Olivenöl im Verdauungstrakt tatsächlich bewirkt, einfach erklärt.
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Olivenöl ist eines der ersten Dinge, mit denen sich der Magen bei einer mediterranen Mahlzeit auseinandersetzt – und es passiert dort einiges mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ein Teil davon ist gut erforscht, ein Teil ist reines Erfahrungswissen, und in einem Punkt widerspricht die Alltagsmeinung sogar dem, was Ärzte über den Magen wissen. Am besten belegt ist die Wirkung auf ein bestimmtes Bakterium namens Helicobacter pylori. Dieses Bakterium siedelt sich in der Magenschleimhaut ein und kann dort Entzündungen und Geschwüre auslösen. Bestimmte Pflanzenstoffe im hochwertigen, frisch gepressten Olivenöl können das Wachstum dieses Bakteriums bremsen. Laborstudien zeigten, dass Polyphenole aus nativem Olivenöl selbst antibiotikaresistente Helicobacter-pylori-Stämme bei sehr niedrigen Konzentrationen abtöten können. Klinische Versuche am Menschen bestätigten eine moderate Wirkung: In einer Pilotstudie wurde Helicobacter pylori bei einem Teil der behandelten Patienten nach 14-tägiger Einnahme von nativem Olivenöl tatsächlich eradiziert. Wichtig dabei ist die Ölqualität – raffiniertes Öl enthält diese schützenden Stoffe kaum noch, sie gehen bei der industriellen Verarbeitung weitgehend verloren.Ganz anders sieht es bei Verstopfung aus. Hier gibt es inzwischen kontrollierte Untersuchungen, die einen positiven Effekt belegen. Eine doppelblinde randomisierte Studie mit 140 Erwachsenen zeigte: Zwei Esslöffel natives Olivenöl extra täglich über vier Wochen reduzierten Verstopfungssymptome und verbesserten die Stuhlkonsistenz deutlich besser als raffiniertes Olivenöl. Der Mechanismus ist recht einfach zu verstehen: Das Öl macht den Stuhl weicher und wirkt wie ein natürliches Gleitmittel. Außerdem regt Fett die Freisetzung von Gallenflüssigkeit an, und diese Gallenflüssigkeit unterstützt die Darmbewegung. Ein bis zwei Esslöffel täglich reichen für diesen Effekt aus – deutlich größere Mengen wirken eher abführend, weil der Dünndarm nicht mehr alles aufnehmen kann.Nicht jeder verträgt Olivenöl gleich gut. Eine echte Allergie ist selten und betrifft meist Menschen, die schon auf den Blütenstaub des Ölbaums empfindlich reagieren – erkennbar an Naselaufen oder gereizten Schleimhäuten nach dem Verzehr. Häufiger sind einfache Fettunverträglichkeiten, die sich in Blähungen, Völlegefühl oder Übelkeit äußern, weil größere Fettmengen die Magenentleerung verlangsamen. Das betrifft dann nicht speziell Olivenöl, gilt für Fett insgesamt, und verschwindet meist, wenn kleinere Mengen gegessen werden.
Der Sodbrennen-Irrtum:
Olivenöl wird in vielen Ratgebern als Hausmittel gegen Sodbrennen empfohlen, es beruhige die gereizte Speiseröhre. Genau das Gegenteil ist der Fall, sobald größere Mengen ins Spiel kommen. Fett – egal aus welcher Quelle – entspannt den Muskel, der die Speiseröhre nach unten hin abdichtet, und verlangsamt gleichzeitig, wie schnell der Magen seinen Inhalt weitergibt. Beides zusammen begünstigt, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt. Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, tut sich mit einem Löffel Olivenöl keinen Gefallen – unabhängig davon, wie gut dasselbe Öl gleichzeitig gegen Magenschleimhautentzündungen wirken kann. Beide Aussagen betreffen unterschiedliche Teile des Verdauungstrakts und schließen sich nicht gegenseitig aus.Warum Olivenöl satt macht:
Im Dünndarm wird ein Teil der Ölsäure aus dem Olivenöl in einen Botenstoff namens Oleoylethanolamid (OEA) umgewandelt. Dieser Botenstoff sendet über den Vagusnerv – eine Nervenbahn, die Darm und Gehirn direkt verbindet – ein Sättigungssignal. Magen, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse arbeiten bei einer ölhaltigen Mahlzeit über dieselben Nerven- und Hormonsignale eng zusammen. Fett im Dünndarm setzt außerdem ein Hormon frei, das gleichzeitig die Gallenblase zum Entleeren anregt und Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse freisetzt. Der Vagusnerv gehört zu dem Teil des Nervensystems, der Verdauung, Herzschlag und viele andere Körperfunktionen automatisch steuert, ohne dass wir bewusst daran denken müssen.Key Facts & Highlights
Im Magen zeigt Olivenöl zwei Gesichter: schützend bei Entzündungen der Schleimhaut, ungünstig bei Sodbrennen. Ein polyphenolreiches Frühernteöl wie das Maroulia bringt dabei die schützenden Wirkstoffe, auf die es ankommt.Key Facts & Highlights
- Polyphenole aus nativem Olivenöl hemmen Helicobacter pylori selbst bei antibiotikaresistenten Stämmen – raffiniertes Öl enthält diese Stoffe kaum noch
- Sodbrennen wird durch größere Mengen Olivenöl eher verstärkt – Fett entspannt den Speiseröhrenverschluss und verlangsamt die Magenentleerung
- Verstopfung: 2 Esslöffel natives Olivenöl extra täglich verbesserten in einer randomisierten Studie Symptome und Stuhlkonsistenz besser als raffiniertes Öl
- Sättigungssignal: Ölsäure aus Olivenöl regt im Dünndarm die Bildung von OEA an, das über den Vagusnerv ans Gehirn meldet: gesättigt
- Echte Olivenöl-Allergien sind selten – Verdauungsbeschwerden hängen meist mit der allgemeinen Fettmenge zusammen, nicht mit Olivenöl im Speziellen

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