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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt (SA)
Gesundheit und Beauty: Vitalität aus der Olive

Was macht Olivenoel mit unserem Magen und der Verdauung?

Vom Schutz der Magenschleimhaut bis zum Sättigungsgefühl - was Olivenöl im Verdauungstrakt wirklich bewirkt, einfach erklärt.

Key Facts & Highlights

  • Hochwertiges, frisches Olivenöl kann das Wachstum des Magenbakteriums Helicobacter pylori bremsen, raffiniertes Öl kaum
  • Sodbrennen wird durch größere Mengen Olivenöl eher verstärkt als gelindert, weil Fett den Verschluss zur Speiseröhre lockert
  • Ein bis zwei Esslöffel Olivenöl täglich können bei Verstopfung helfen, größere Mengen wirken eher abführend bis durchfallauslösend
  • Ein Sättigungssignal aus dem Darm wird über eine Nervenbahn ausgelöst, die auch andere Verdauungsvorgänge automatisch steuert
  • Echte Olivenöl-Allergien sind selten, meist hängen Beschwerden mit der allgemeinen Fettmenge zusammen, nicht mit Olivenöl im Speziellen
Olivenöl ist eines der ersten Dinge, mit denen sich der Magen bei einer mediterranen Mahlzeit auseinandersetzen muss, und es passiert dort einiges mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ein Teil davon ist gut erforscht, ein Teil ist reines Erfahrungswissen, und in einem Punkt widerspricht die Alltagsmeinung sogar dem, was Ärzte über den Magen wissen. Am besten belegt ist die Wirkung bei einer Magenschleimhautentzündung, die häufig durch ein bestimmtes Bakterium, dem Helicobacter Pilori, ausgelöst wird, das sich in der Magenschleimhaut einnistet und dort Geschwüre verursachen kann. Bestimmte Pflanzenstoffe im hochwertigen, frisch gepressten Olivenöl können das Wachstum dieses Bakteriums nachweislich bremsen. Das wurde zunächst im Labor gezeigt, später auch in einer Untersuchung an tatsächlich erkrankten Menschen bestätigt. Wichtig dabei ist die Qualität, raffiniertes Öl aus dem Supermarktregal enthält diese schützenden Stoffe kaum noch, sie gehen bei der industriellen Verarbeitung weitgehend verloren.

Der Sodbrennen-Irrtum:

Olivenöl wird in vielen Ratgebern als Hausmittel gegen Sodbrennen empfohlen, angeblich beruhigt es die gereizte Speiseröhre. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall, sobald größere Mengen ins Spiel kommen. Fett, egal aus welcher Quelle, entspannt den Muskel, der die Speiseröhre nach unten hin abdichtet, und verlangsamt gleichzeitig, wie schnell der Magen seinen Inhalt weitergibt. Beides zusammen begünstigt, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt. Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, tut sich mit einem Löffel Olivenöl also eher keinen Gefallen, unabhängig davon, wie gut dasselbe Öl gleichzeitig gegen Magenschleimhautentzündungen wirkt. Beide Aussagen betreffen unterschiedliche Teile des Verdauungstrakts und schließen sich nicht gegenseitig aus.
Ganz anders sieht es bei Verstopfung aus, hier gibt es tatsächlich eine kontrollierte Untersuchung, die einen positiven Effekt bestätigt. Menschen, die regelmäßig Olivenöl zu sich nahmen, hatten in dieser Studie deutlich seltener harten Stuhl und das unangenehme Gefühl einer unvollständigen Entleerung. Der Mechanismus dahinter ist recht einfach zu verstehen, das Öl bindet Wasser im Darminhalt, macht den Stuhl weicher und wirkt zusätzlich wie ein natürliches Gleitmittel. Außerdem regt Fett generell die Freisetzung von Gallenflüssigkeit an, und diese Gallenflüssigkeit unterstützt wiederum die Darmbewegung. Wichtig ist dabei die Menge, ein bis zwei Esslöffel am Tag reichen für diesen Effekt aus, deutlich größere Mengen führen eher zu Durchfall, weil der Dünndarm nicht mehr alles aufnehmen kann.

Warum Olivenöl satt macht:

Im Dünndarm wird ein Teil der Ölsäure aus dem Olivenöl in einen Botenstoff umgewandelt, der über eine Nervenverbindung zwischen Darm und Gehirn ein Sättigungssignal auslöst. Diese Nervenbahn gehört zu dem Teil des Nervensystems, der Verdauung, Herzschlag und viele andere Körperfunktionen automatisch steuert, ohne dass wir bewusst daran denken müssen. Fett im Dünndarm setzt außerdem ein Hormon frei, das gleichzeitig die Gallenblase zum Entleeren anregt und die Bauchspeicheldrüse zur Freisetzung von Verdauungsenzymen. Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse arbeiten bei einer ölhaltigen Mahlzeit also eng zusammen, gesteuert über dieselben Nerven- und Hormonsignale.
Nicht jeder verträgt Olivenöl gleich gut. Eine echte Allergie ist selten und betrifft meist Menschen, die schon auf den Blütenstaub des Ölbaums empfindlich reagieren, erkennbar an Naselaufen oder gereizten Schleimhäuten nach dem Verzehr. Häufiger sind einfache Fettunverträglichkeiten, die sich in Blähungen, einem Völlegefühl oder Übelkeit äußern, weil größere Fettmengen die Magenentleerung generell verlangsamen. Das betrifft dann nicht speziell Olivenöl, sondern Fett insgesamt, und verschwindet meist von selbst, wenn kleinere Mengen gegessen werden.

Key Facts & Highlights

Im Magen zeigt Olivenöl zwei Gesichter gleichzeitig, schützend bei Entzündungen der Schleimhaut, aber ungünstig bei Sodbrennen, und welches Gesicht überwiegt, entscheidet allein die Menge und der Anlass.
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