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Warum wurde Olivenöl zum Sinnbild fuer Macht, Segen und das Wort Christus?
Von der Salbung israelitischer Koenige bis zum Namen Christus - Olivenoel trug in der Antike goettliche Macht, Frieden und Weisheit.
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Key Facts & Highlights
- Altes Testament: Könige, Priester und Propheten wurden durch Ausgießen von Olivenöl auf den Kopf in ihr Amt eingesetzt
- Christus: Griechische Übersetzung des hebräischen maschiach, der Gesalbte, Ursprung von Messias und Christus
- Olivenzweig: Bei Noah Zeichen für das Ende der Sintflut, heute Symbol der Vereinten Nationen
- Athene: Gewann laut Mythos den Wettstreit um Athen mit dem Geschenk des Olivenbaums gegen Poseidons Salzquelle
- Homer: Erwähnt Öl und Ölbaum in Ilias und Odyssee zahlreich, unter anderem beim Ehebett des Odysseus
Kaum ein Naturprodukt der Antike ist so eng mit Vorstellungen von Macht, Segen und göttlicher Erwählung verbunden wie Olivenöl. Im gesamten östlichen Mittelmeerraum diente es nicht nur der Ernährung und der Körperpflege, sondern wurde zum Trägerstoff religiöser und politischer Rituale. Wer mit Öl gesalbt wurde, war nicht länger ein gewöhnlicher Mensch, sondern für ein Amt abgesondert und mit göttlicher Vollmacht ausgestattet. Im Alten Testament ist diese Praxis fest etabliert. Könige, Priester und Propheten wurden durch das Ausgießen von Öl auf den Kopf in ihr Amt eingesetzt. Der Prophet Samuel salbte zunächst Saul und später David zum König über Israel, und mit der Salbung ging der Glaube einher, dass der Geist Gottes von diesem Moment an über der gesalbten Person lag. Auch Priester und heilige Gegenstände wie die Stiftshütte wurden auf diese Weise geweiht.Aus dieser religiösen Praxis erwuchs einer der zentralen Begriffe des Christentums überhaupt.Neben der Salbung besitzt der Olivenzweig selbst eine tief verwurzelte Symbolik. In der Erzählung von der Sintflut schickt Noah eine Taube aus, um zu prüfen, ob das Wasser bereits gewichen ist, und die Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zurück, als Zeichen dafür, dass die Erde wieder bewohnbar und der Zorn Gottes vorüber ist. Von hier aus entwickelte sich der Zweig über Jahrtausende zum universellen Symbol für Frieden und Neuanfang, das sich bis in die Flagge der Vereinten Nationen fortsetzt. Auch in der griechischen Mythologie nimmt der Olivenbaum eine herausragende Stellung ein. Der Überlieferung nach stritten sich Athene und Poseidon um die Schutzherrschaft über eine neu gegründete Stadt in Attika. Poseidon ließ eine Quelle entspringen, deren Wasser sich jedoch als salzig und unbrauchbar erwies. Athene dagegen ließ einen Olivenbaum wachsen, der Nahrung, Öl und Holz spendete. Die Bewohner entschieden sich für das nützlichere Geschenk, benannten ihre Stadt nach Athene und machten den Ölbaum zu ihrem heiligen Symbol. In Athen stand fortan das mutwillige Fällen eines Olivenbaums unter drakonischer Strafe. Die religiöse Verehrung des Baumes spiegelte sich auch im Sport. Der Siegerkranz der antiken Olympischen Spiele bestand aus einem Zweig des wilden Ölbaums, und die olympische Flamme selbst wurde ursprünglich von einem brennenden Olivenzweig getragen. Auch in der frühen griechischen Literatur ist Olivenöl allgegenwärtig. Homer erwähnt Öl und Ölbaum in Ilias und Odyssee zahlreich. Das Holz des Ölbaums galt wegen seiner Härte als Material für Werkzeuge und Waffen, in der Ilias wird ein Axtstiel aus Ölbaumholz beschrieben. In der Odyssee baut Odysseus das eheliche Bett um einen lebenden Olivenbaum herum, ein Detail, mit dem er später seine Identität gegenüber der misstrauischen Penelope beweist. An anderer Stelle lässt Homer den heimgekehrten Odysseus mit Öl salben, eine Geste, die in der homerischen Welt vor allem der Oberschicht vorbehalten war. Auch Philosophen setzten sich mit dem Olivenöl auseinander, wenn auch auf andere Weise als Priester und Dichter. Aristoteles überliefert in seiner Politik eine bekannte Anekdote über Thales von Milet, den Begründer der griechischen Philosophie.Zwischen Tempeldienst, Königtum, Mythos und Philosophie zieht sich damit eine durchgehende Linie durch die antike Welt. Öl war nie bloß Rohstoff, es war Zeichen einer Ordnung, die den Menschen mit etwas Größerem verband, sei es Gott, seien es die Götter, sei es die eigene Vernunft.
Das heilige Salböl:
Nach der Anweisung im Buch Exodus musste das Salböl für Priester und heilige Gegenstände aus Myrrhe, Zimt, Kalmus und Kassia bestehen, eingebunden in Olivenöl als Trägersubstanz. Dieses Öl durfte ausschließlich für sakrale Zwecke verwendet werden, seine Herstellung zu privaten Zwecken war untersagt. Ähnliche Salbungsriten zur Einsetzung von Priestern und Beamten sind bereits aus Sumer, Akkad und Babylon bekannt, und auch der ägyptische Pharao salbte seinen höchsten Minister als Zeichen der Machtübertragung. Die Salbung der Könige Israels steht in dieser älteren Tradition des Alten Orients.Christus - der Gesalbte:
Das hebräische Wort maschiach bedeutet der Gesalbte und wurde ins Griechische mit christos übersetzt, woraus über das Lateinische das deutsche Wort Christus hervorging. Auch das deutsche Wort Messias geht auf dieselbe hebräische Wurzel zurück. Wenn im Neuen Testament von Jesus Christus die Rede ist, steht darin wörtlich Jesus, der Gesalbte. Im kirchlichen Chrisam, einem mit wohlriechendem Balsam versetzten Olivenöl, das bei Taufe, Firmung und Priesterweihe verwendet wird, lebt diese Tradition bis heute fort.Thales und die Ölpressen:
Nach Aristoteles wurde Thales von Milet wegen seiner Armut verspottet, da Philosophie angeblich nichts einbringe. Thales sagte daraufhin anhand seiner astronomischen Kenntnisse eine besonders reiche Olivenernte voraus und sicherte sich bereits im Winter zu geringen Kosten das Vormietrecht an sämtlichen Ölpressen in Milet und Chios. Als zur Erntezeit alle Bauern gleichzeitig eine Presse benötigten, vermietete er sie zu hohen Preisen weiter und verdiente auf diese Weise ein Vermögen. Aristoteles deutet die Geschichte als Beweis dafür, dass ein Philosoph mühelos reich werden könnte, wenn Reichtum sein eigentliches Ziel wäre.Key Facts & Highlights
Olivenöl war in der Antike nie bloß Ware, es war das Zeichen dafür, dass ein Mensch, ein Ort oder eine Sache zu etwas Höherem gehörte.
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