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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty

Kann Olivenöl das Krebsrisiko senken?

Studien untersuchen Zusammenhänge zwischen Olivenöl und Krebsrisiko. Besonders bei Brustkrebs gibt es interessante Befunde, die jedoch noch keine allgemeine Schutzwirkung beweisen.
Olivenöl wird seit vielen Jahren im Zusammenhang mit der Krebsforschung untersucht. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob Menschen mit einem höheren Olivenölkonsum bestimmte Krebsarten seltener entwickeln. Eine solche Untersuchung betrifft das Risiko in einer Bevölkerungsgruppe. Sie sagt nicht voraus, ob eine einzelne Person durch Olivenöl vor Krebs geschützt ist. Noch wichtiger ist die Abgrenzung zur Behandlung. Olivenöl ist keine Krebstherapie und kann eine medizinische Behandlung nicht ersetzen. Besonders bekannt wurde eine Auswertung der spanischen PREDIMED-Studie. In dieser randomisierten Studie wurde ursprünglich untersucht, wie sich verschiedene Ernährungsweisen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken. Für Brustkrebs wurde später ausgewertet, wie häufig invasive Erkrankungen auftraten. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 4,8 Jahren wurden insgesamt 35 Brustkrebsfälle bestätigt. In der Gruppe mit mediterraner Ernährung und zusätzlichem nativem Olivenöl extra wurden 1,1 Fälle pro 1000 Personenjahre beobachtet. In der Kontrollgruppe waren es 2,9 Fälle. Die statistische Auswertung ergab einen niedrigeren Wert für die Olivenölgruppe. Die Autoren betonten jedoch selbst, dass es sich um eine sekundäre Auswertung einer bereits bestehenden Studie handelte und die Zahl der Brustkrebsfälle gering war. Die Ergebnisse müssen deshalb durch größere und länger laufende Untersuchungen bestätigt werden. Die PREDIMED-Studie zur mediterranen Ernährung und zum Brustkrebsrisiko ist bei PubMed dokumentiert.

Warum die PREDIMED-Ergebnisse vorsichtig bewertet werden müssen:

Die Untersuchung war zwar randomisiert, die Brustkrebsfrage gehörte jedoch nicht zum ursprünglichen Hauptziel der Studie. Außerdem traten nur 35 bestätigte Brustkrebsfälle auf. Ein statistischer Zusammenhang kann deshalb nicht allein als Beweis für eine vorbeugende Wirkung von Olivenöl betrachtet werden. Die Intervention bestand zudem aus einer gesamten mediterranen Ernährungsweise mit zusätzlichem nativem Olivenöl extra. Der beobachtete Effekt lässt sich daher nicht vollständig dem Olivenöl allein zuschreiben.
Auch die breitere Forschung zu Brustkrebs ergibt kein einheitliches Bild. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von zehn Beobachtungsstudien untersuchte den Zusammenhang zwischen Olivenöl und Brustkrebs. In den zusammengefassten prospektiven Studien war der statistische Zusammenhang nicht signifikant. Auch bei den Fall-Kontroll-Studien war der Zusammenhang nicht eindeutig. Die Autoren bewerteten die Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig und forderten weitere prospektive Untersuchungen. Die systematische Übersichtsarbeit zum Olivenöl und Brustkrebsrisiko ist bei PubMed veröffentlicht. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung aus der italienischen Moli-sani-Kohorte wertete die Daten von 11.442 Frauen aus und verband diese Analyse mit einer systematischen Übersichtsarbeit. Für das gesamte Brustkrebsrisiko waren die Ergebnisse nicht eindeutig. Die Autoren stellten fest, dass Fall-Kontroll-Studien und die PREDIMED-Studie häufiger einen möglichen Schutzeffekt zeigten, während prospektive Untersuchungen keinen konsistenten Zusammenhang ergaben. Die 2025 veröffentlichte Moli-sani-Auswertung und systematische Übersichtsarbeit ist bei PubMed dokumentiert.

Was über Krebs insgesamt bekannt ist:

Eine Metaanalyse von 2022 wertete 24 prospektive Kohortenstudien und weitere Daten aus. Für Krebs insgesamt zeigte sich pro zusätzlich 25 Gramm Olivenöl täglich kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit dem Krebsrisiko. Eine weitere Metaanalyse von 2024 wertete ausschließlich prospektive Kohortenstudien aus und kam ebenfalls zu keinem Zusammenhang zwischen Olivenölkonsum und Krebsneuerkrankungen oder Krebstodesfällen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu einzelnen Beobachtungsstudien, die für bestimmte Krebsarten niedrigere Risiken gefunden haben. Die Metaanalyse zu Olivenöl, Krebs und weiteren chronischen Erkrankungen ist bei PubMed veröffentlicht. Die systematische Übersichtsarbeit zu prospektiven Kohortenstudien ist ebenfalls bei PubMed dokumentiert.
Daneben gibt es Forschung zu einzelnen Inhaltsstoffen des Olivenöls. Besonders untersucht werden phenolische Verbindungen wie Oleocanthal und Hydroxytyrosol. In Zellkulturen und experimentellen Tiermodellen wurden Effekte auf Zellteilung, Zellsterben, Signalwege und die Bildung neuer Blutgefäße beobachtet. Die Bildung neuer Blutgefäße wird als Angiogenese bezeichnet. Ein wachsender Tumor kann solche Gefäße nutzen, um seine Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen zu verbessern. Experimente mit Oleocanthal und Oleacein zeigten hemmende Effekte auf verschiedene Schritte der Angiogenese. Solche Ergebnisse sind biologisch interessant. Sie zeigen jedoch noch nicht, dass der normale Verzehr von Olivenöl beim Menschen das Wachstum eines Tumors verhindert. Die experimentelle Untersuchung zu Oleocanthal, Oleacein und Angiogenese ist bei PubMed veröffentlicht. Auch bei Brustkrebs wurden einzelne Olivenölphenole in Laborversuchen untersucht. Oleocanthal hemmte beispielsweise in Zellmodellen das Wachstum und die Wanderung bestimmter menschlicher Brustkrebszellen. Solche Versuche können mögliche biologische Mechanismen aufzeigen. Sie erlauben jedoch keine direkte Aussage über die Wirkung des Olivenölkonsums bei erkrankten Menschen. Die Laboruntersuchung zu Oleocanthal und Brustkrebszellen ist bei PubMed dokumentiert. Bei Prostatakrebs und anderen Krebsarten gibt es ebenfalls Untersuchungen zu Olivenöl und einzelnen Bestandteilen. Die Datenlage erlaubt daraus jedoch keine allgemeine Aussage, dass Olivenöl eine bestimmte Krebsart verhindert oder behandelt. Für die Ernährung bleibt deshalb die gesamte Zusammensetzung der Kost entscheidend. Olivenöl ist ein typischer Bestandteil der mediterranen Ernährung, die in zahlreichen Studien untersucht wurde. Aus den Ergebnissen einer solchen Ernährungsweise darf jedoch nicht automatisch die Wirkung eines einzelnen Lebensmittels abgeleitet werden. Für die Krebsprävention sind außerdem bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Körpergewicht, Bewegung und bestimmte Infektionen von wesentlich größerer Bedeutung als die Frage, welches einzelne Speiseöl verwendet wird. Bei einer bestehenden Krebserkrankung gelten andere Maßstäbe. Ernährung kann Teil der medizinischen Begleitung sein, doch Diagnose, Therapie und Nachsorge gehören in die Hände der behandelnden Fachleute.

Key Facts & Highlights

Olivenöl ist damit ein interessanter Forschungsgegenstand, aber kein nachgewiesenes Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Krebs.
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