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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt
Gesundheit und Beauty

Was ist bei Olivenöl auf der Haut wirklich bewiesen?

Von Sonnenbrand bis Neurodermitis – die Beweislage ist je nach Anwendung sehr verschieden, und eine ehrliche Einordnung muss die Fälle einzeln betrachten.
Olivenöl wird bei praktisch jeder Form von Hautentzündung als Hausmittel genannt: von Sonnenbrand über Neurodermitis bis Schuppenflechte. Die Beweislage dahinter ist jedoch sehr unterschiedlich. Am besten belegt ist die Wirkung bei Sonnenbrand – anders allerdings, als es die verbreitete Praxis nahelegt. Reines, unverdünntes Olivenöl hat einen Lichtschutzfaktor von nur etwa 7 bis 8. Messungen zeigen, dass Pflanzenöle generell SPF-Werte zwischen 2 und 8 erreichen, und Olivenöl liegt in diesem Bereich. Es kann Sonnencreme nicht ersetzen. Nach einem bereits eingetretenen Sonnenbrand liegt der Fall anders. Eine in der Praxis bewährte Mischung aus Olivenöl und Mineralwasser, kräftig aufgeschüttelt und auf die betroffene Haut aufgetragen, wirkt spürbar angenehmer als reines Öl.

Warum die Wasser-Öl-Mischung beim Sonnenbrand funktioniert:

Ohne Emulgator bilden Öl und Wasser keine dauerhaft stabile Mischung – beide Phasen trennen sich nach kurzer Zeit wieder. Direkt nach dem Aufschütteln liegt das Öl aber fein verteilt vor und wird dadurch dünner und weniger fettend aufgetragen als pur. Das Wasser selbst kühlt die entzündete Haut durch Verdunstung, ein Effekt, der bei akutem Sonnenbrand direkt spürbare Linderung bringt. Die im Öl enthaltenen Polyphenole und Vitamin E wirken antioxidativ. Ob dieser Effekt bei äußerlicher Anwendung auf verbrannter Haut eine messbare Wirkung hat, wurde in eigenen klinischen Studien bislang nicht geprüft. Die Wirkung der Mischung erklärt sich aus bekannten Einzelmechanismen, ist aber nicht durch eine eigene Studie zu Sonnenbrand belegt.
Bei Neurodermitis fällt die Bewertung differenzierter aus. Während eines akuten Schubes ist reines Olivenöl eher ungünstig, weil die in der Danby-Studie 2013 beschriebene Störung der Hautbarriere durch Ölsäure genau in dieser Situation zusätzlichen Schaden anrichten kann. Außerhalb eines Schubes, auf beruhigter oder leicht trockener Haut, wird eine kleine Menge hochwertigen Öls dagegen meist als unproblematisch eingestuft. Bei Schuppenflechte ist die Lage deutlich schwächer belegt. Trotz zahlreicher Erfahrungsberichte gibt es keine belastbaren klinischen Studien, die Olivenöl als äußerliche Behandlung von Psoriasis-Plaques untersucht haben. Eine gewisse Verbindung besteht nur indirekt über die Mittelmeer-Diät als Ganzes, die in Beobachtungsstudien mit einem milderen Verlauf der Erkrankung einhergeht – was aber die Ernährung betrifft, nicht die Anwendung auf der Haut. Bei Akne ist Zurückhaltung angebracht. Olivenöl gilt auf der gängigen Komedogenitätsskala als moderat komedogen – es kann bei entsprechender Hautveranlagung Poren verstopfen und Unreinheiten begünstigen, auch wenn diese Skala aus älteren Tierversuchen stammt und individuell stark schwankt.

Innerliche Anwendung – entzündungshemmend im ganzen Körper:

Deutlich besser belegt als jede äußerliche Anwendung ist die innerliche Wirkung von Olivenöl. Der Wirkstoff Oleocanthal hemmt dieselben Enzyme wie Ibuprofen. Beauchamp und Kollegen beschrieben diesen Mechanismus 2005 in Nature – der Mechanismus erklärt, warum frisches Frühernteöl im Hals kratzt. Über die Ernährung wirkt Olivenöl systemisch entzündungshemmend, ein Effekt, der unabhängig von der Frage ist, ob das Öl äußerlich auf der Haut hilft oder schadet.
Insgesamt ergibt sich ein Bild, das wenig mit dem pauschalen Ruf als Allheilmittel für die Haut zu tun hat. Bei akuten Entzündungszuständen wie Sonnenbrand oder aktiver Neurodermitis kommt es entscheidend auf die Anwendungsform an: verdünnt und kühlend beim Sonnenbrand, zurückhaltend und nur außerhalb akuter Phasen bei Neurodermitis. Bei Schuppenflechte, Akne und Wundheilung fehlt die wissenschaftliche Grundlage weitgehend. Über die Ernährung dagegen ist die entzündungshemmende Wirkung von Olivenöl so gut belegt wie bei kaum einem anderen Lebensmittel.

Key Facts & Highlights

Bei entzündeter Haut hilft nicht die Frage ob Olivenöl wirkt – entscheidend ist wie, wo und in welcher Form. Ein Frühernteöl wie das Maroulia entfaltet seine Stärken am überzeugendsten täglich auf dem Teller.

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