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"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Detailaufnahme von hochwertigem Olivenöl – reich an gesunden Polyphenolen. Foto: Urheber: Klaus Erhardt (SA)
Gesundheit und Beauty: Vitalität aus der Olive

Olivenoel bei Hautentzuendungen - was ist bewiesen, was ist nur Hausmittel?

Von Sonnenbrand bis Neurodermitis - was Studien zu Olivenöl bei entzündeter Haut wirklich zeigen, und wo nur Erfahrung spricht.

Key Facts & Highlights

  • Sonnenbrand: Lichtschutzfaktor von reinem Olivenöl nur 2 bis 8, kein Ersatz für Sonnencreme, nach dem Sonnenbrand hilft verdünnte Anwendung mit Wasser durch Verdunstungskühlung
  • Neurodermitis: akut eher ungünstig, außerhalb eines Schubes in kleiner Menge meist unproblematisch
  • Schuppenflechte: keine kontrollierten Studien zur äußerlichen Anwendung, nur Erfahrungsberichte und ein indirekter Diät-Zusammenhang
  • Akne: moderat komedogen, kann bei entsprechender Veranlagung Unreinheiten begünstigen
  • Innerliche Anwendung: Oleocanthal wirkt wie Ibuprofen, PREDIMED-Studie zeigt deutliche systemische Effekte bei 7.447 Teilnehmenden
Olivenöl wird bei praktisch jeder Form von Hautentzündung als Hausmittel genannt, von Sonnenbrand über Neurodermitis bis Schuppenflechte. Die Beweislage dahinter ist jedoch höchst unterschiedlich, und eine seriöse Einordnung muss diese Fälle einzeln behandeln, statt sie unter einem pauschalen Loblied auf das Öl zu verschmelzen. Am besten belegt ist die Wirkung bei Sonnenbrand, allerdings anders, als es die verbreitete Praxis nahelegt. Reines, unverdünntes Olivenöl hat einen Lichtschutzfaktor von nur etwa 2 bis 8 und kann Sonnencreme nicht ersetzen, mehrere Quellen warnen sogar davor, sich vor dem Sonnenbad einzuölen, weil dies die Aufnahme von UV-Strahlung in die Haut eher verstärken als mindern könnte. Nach einem bereits eingetretenen Sonnenbrand liegt der Fall anders. Eine in der Praxis bewährte Mischung aus Olivenöl und Mineralwasser, kräftig aufgeschüttelt und auf die betroffene Haut aufgetragen, wirkt spürbar angenehmer als reines Öl.

Warum die Wasser-Öl-Mischung beim Sonnenbrand funktioniert:

Ohne Emulgator bilden Öl und Wasser keine dauerhaft stabile Emulsion, beide Phasen trennen sich nach kurzer Zeit wieder. Direkt nach dem Aufschütteln liegt das Öl aber fein verteilt vor und wird dadurch dünner und weniger fettend aufgetragen als pur. Das Wasser selbst kühlt die entzündete Haut zusätzlich durch Verdunstungskälte, ein Effekt, der bei akutem Sonnenbrand direkt spürbare Linderung bringt. Die im Öl enthaltenen Polyphenole und das Vitamin E wirken dabei zusätzlich antioxidativ, ohne dass dieser Effekt beim Sonnenbrand selbst in eigenen klinischen Studien geprüft wurde. Die Wirkung der Mischung erklärt sich also plausibel aus bekannten Einzelmechanismen, ist aber nicht durch eine eigene Studie zu Sonnenbrand belegt.
Bei Neurodermitis fällt die Bewertung differenzierter aus. Während eines akuten Schubes ist reines Olivenöl eher ungünstig, weil die in der Danby-Studie beschriebene Störung der Stratum-corneum-Integrität genau in dieser Situation zusätzlichen Schaden anrichten kann. Außerhalb eines Schubes, auf beruhigter oder leicht trockener Haut, wird eine kleine Menge hochwertigen Öls dagegen meist als unproblematisch eingestuft. Bei Schuppenflechte ist die Lage deutlich schwächer belegt. Trotz zahlreicher Erfahrungsberichte in Foren und Ratgebern gibt es keine belastbaren klinischen Studien, die Olivenöl als äußerliche Behandlung von Psoriasis-Plaques untersucht haben, hier handelt es sich um reines Hausmittelwissen. Eine gewisse Verbindung besteht nur indirekt über die Mittelmeer-Diät als Ganzes, die in Beobachtungsstudien mit einem milderen Verlauf der Erkrankung einhergeht, was aber die Ernährung betrifft, nicht die Anwendung auf der Haut. Bei Akne und Pusteln ist eher Zurückhaltung angebracht. Olivenöl gilt auf der gängigen Komedogenitätsskala als moderat komedogen, es kann bei entsprechender Hautveranlagung Poren verstopfen und Unreinheiten begünstigen, auch wenn diese Skala aus älteren Tierversuchen stammt und individuell stark schwankt. Für die Wundheilung kleinerer Hautverletzungen werden gelegentlich im Öl enthaltene Triterpene als Erklärung angeführt, eine eigene klinische Studie zu Olivenöl und Wundheilung liegt dazu allerdings nicht vor.

Innerliche Anwendung, entzündungshemmend über den ganzen Körper:

Deutlich besser belegt als jede äußerliche Anwendung ist die innerliche Wirkung von Olivenöl. Der Bitterstoff Oleocanthal hemmt die Cyclooxygenase auf ähnliche Weise wie Ibuprofen, ein Mechanismus, der 2005 in Nature beschrieben wurde. Die PREDIMED-Studie mit 7.447 Teilnehmenden zeigte für eine mit Olivenöl angereicherte Mittelmeer-Diät unter anderem ein um 40 Prozent geringeres Diabetesrisiko, ein Stoffwechselzustand, der auch chronische Hautentzündungen begünstigen kann. Über die Ernährung wirkt Olivenöl also systemisch entzündungshemmend, ein Effekt, der unabhängig von der Frage ist, ob das Öl auf der Haut selbst hilft oder schadet.
Insgesamt ergibt sich ein Bild, das wenig mit dem pauschalen Ruf von Olivenöl als Allheilmittel für die Haut zu tun hat. Bei akuten Entzündungszuständen wie Sonnenbrand oder aktiver Neurodermitis kommt es entscheidend auf die Anwendungsform an, verdünnt und kühlend beim Sonnenbrand, zurückhaltend und nur außerhalb akuter Phasen bei Neurodermitis. Bei Psoriasis, Akne und Wundheilung fehlt die wissenschaftliche Grundlage weitgehend, hier bleibt es bei Erfahrungswissen. Über die Ernährung dagegen ist die entzündungshemmende Wirkung von Olivenöl so gut belegt wie bei kaum einem anderen Lebensmittel.

Key Facts & Highlights

Bei entzündeter Haut hilft nicht die Frage ob Olivenöl wirkt, sondern wie, wo und in welcher Form es angewendet wird.
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